Lepidopterismus: Erfahrungen mit dem Eichenprozessionsspinner in Marburg

Josephin Eichelberg,M. Hertl,M. Wolter,H. Juratli

Published 2021 in Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft = Journal of the German Society of Dermatology : JDDG

ABSTRACT

Anamnese: Vier junge Patienten im Alter von 18–47 Jahren stellten sich jeweils notfallmäßig in der Hochschulambulanz vor, aufgrund unklarer, plötzlich aufgetretener sowie stark juckender Hautveränderungen im Bereich der unbekleideten Hautareale mit Aussparung des Kopfes. Die Patienten gaben an, verschiedene Aktivitäten (Reiten, Camping) in der freien Natur unternommen zu haben, bevor die Beschwerden auftraten. Atembeschwerden wurden stets verneint. Hautbefund: Es zeigen sich am Rumpf und an den Extremitäten multiple, diffus verteilte, rötliche, polygonal begrenzte Papeln und Papulovesikeln, die teilweise durch den starken Juckreiz erodiert waren (Abbildung 1). Die sonstige körperliche Untersuchung zeigte sich dabei unauffällig. Kopfhaut und Mundschleimhaut waren stets frei. Weitere Diagnostikmaßnahmen: HHV-PCR aus Wund-Abstrich: kein Nachweis von Humanen Herpesviren (HSV I, II oder VZV). Histopathologischer Befund: Es zeigte sich bei allen Patienten eine unterschiedlich ausgeprägte Spongiose mit variabler intraepidermaler Bläschenbildung sowie ein Ödem der papillären Dermis. Außerdem fand sich ein prominentes oberflächliches sowie tiefes, periadnexielles und perivaskuläres lymphohistiozytäres Infiltrat mit Beimengung von zahlreichen eosinophilen Granulozyten (Abbildung 2). Therapie: Alle Patienten wurden mit einem oralen H1-Antihistaminikum sowie mit einem topischen Glukokortikoid der Klasse III behandelt. Kommentar: Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist eine Schmetterlingsart, die in Mittelund Südeuropa vor allem im Sommer vorkommt. Er gehört zur Ordnung der Lepidoptera. In den letzten Jahren gab es in verschiedenen Regionen Deutschlands Epidemien durch Raupen der Eichenprozessionsspinner, die fadenförmige Nester in Eichen bilden [1, 2] Unter dem Begriff Lepidopterismus versteht man Erkrankungen, die durch das in den Haaren (Setae) der Insekten enthaltene Thaumetopoein hervorgerufen werden [3]. Durch Kontakt mit Eichenprozessionsspinner-Raupen werden verschiedene allergologische Erkrankungen ausgelöst, die von der Kontaktdermatitis bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen der oberen Luftwege reichen können. Die Setae können auch mit der Luft verteilt werden und Symptome in den oberen Atemwegen und Augen wie Husten oder eine Konjunktivitis hervorrufen [2–4]. Histopathologisch weisen die Eichenprozessionsspinner, wie viele Arthropodenreaktionen, im Zentrum der Veränderung eine umschriebene Spongiose bis spongiotische Vesikelbildung der Epidermis auf, die zur Peripherie hin an Intensität abnimmt. Eine eosinophile Spongiose kann manchmal beobachtet werden. Im Stratum papillare sieht man ein zentral betontes Ödem. Dermal zeigen sich oberflächliche und tiefe, perivaskuläre und interstitielle Entzündungsinfiltrate mit Beteiligung eosinophiler Granulozyten. Nützliche Hinweise im Falle einer LepidopterismusEpidemie:

PUBLICATION RECORD

  • Publication year

    2021

  • Venue

    Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft = Journal of the German Society of Dermatology : JDDG

  • Publication date

    2021-07-01

  • Fields of study

    Not labeled

  • Identifiers
  • External record

    Open on Semantic Scholar

  • Source metadata

    Semantic Scholar, PubMed

CITATION MAP

EXTRACTION MAP

CLAIMS

  • No claims are published for this paper.

CONCEPTS

  • No concepts are published for this paper.

CITED BY